VERGISS DIE MUSE ABER GÖNN DIR MUßE 

Zeit ist unsere kostbarste Ressource. Gerade als Eltern haben wir wenig davon und diese schenken wir am allerwenigsten uns selbst. Selbst wenn wir uns eine Auszeit genehmigen bzw. diese ergattern, können wir häufig nicht dem Impuls widerstehen, auch hier produktiv zu sein. Mit diesem Artikel möchte ich dich zu mehr Muße anregen. Vor allen Dingen aber möchte ich es dir ermöglichen, dich mit deiner inneren Kraft, deinen Ressourcen und deiner Kreativität zu verbinden

Zeit für mich, ist das nicht egoistisch?

Du kennst das sicher auch, als berufstätige Mutter oder Vater ist man nicht gerade mit viel Zeit gesegnet. Es geht um die Kinder, die Organisation von Alltagsdingen, den Job und schnell ist ein Tag, eine Woche, ein Monat um. Die Zeit haben wir primär im Modus des pragmatischen Funktionierens verbracht. Vielleicht hat der ein oder andere während des Corona-Lockdowns mehr kostbare Zeit mit der Familie verbringen können und so eine Ahnung davon bekommen, wie gut uns tut, wenn wir uns Entschleunigung gönnen. Vielleicht hat diese intensive Corona Zeit aber auch den Alltagswahnsinn noch auf die Spitze getrieben: Homeoffice, Homeschooling, Kids @Home – alle Bälle waren in der Luft. Da traut man sich nicht einmal an „Zeit für sich“ überhaupt zu denken. Ich wage es trotzdem: Wie viel Zeit darf ich mir selbst für mich nehmen, ohne egoistisch zu sein? Und wie nutze ich meine Auszeiten sinnvoll? In dieser Frage liegt bereits eines unserer größten Probleme: wir fühlen uns unter allen Umständen dazu berufen, produktiv zu sein. Bloß keinen Ball fallen lassen!

Meine produktive Auszeit

Die Wochenenden gehören mir! Naja, zumindest teilweise, so zwei Stunden. Dann versuche ich Mann und Kinder kollektiv auf den Spielplatz zu schicken und durchzuatmen. So auch letzten Samstag. Aber kaum saß ich auf dem Sofa, ging mein Kopfkino los und meine To Do-Liste spulte sich vor meinem inneren Auge ab. Dann kam der innere erhobene Zeigefinger „Du sollst entspannen!“. Und schon ärgerte ich mich über mich selbst: nicht mal in meiner Verschnaufpause konnte ich abschalten. So lag ich also eine Weile im inneren Wettstreit mit meinem Bedürfnis zu entspannen, ein Buch zu lesen, zu schlafen und dem schlechten Gewissen, dass ich auch noch ein bisschen Arbeit schaffen könnte. Nach zwei Stunden Auszeit fühlte ich mich unzufrieden und irgendwie ausgelaugter als zuvor. Klingt ganz schön verkorkst, oder? Aber vielleicht kennst du das ja auch. Wir können nicht mehr richtig abschalten und uns einfach nur an der kurzen Auszeit und „Me-Time“ erfreuen, sondern wollen auch in diesen Pausen produktiv sein, andernfalls meldet sich unser schlechtes Gewissen.

Gar nichts tun, das ist die aller schwierigste Beschäftigung und zugleich diejenige, die am meisten Geist voraussetzt.

(Oscar Wilde)

Unser Alltags-Aktionismus

Schuld ist unser Alltags-Aktionismus. Wir hetzen von einer Aktivität zur nächsten: Kita, Schule, Arbeit, Einkaufen, Kochen, Verabredungen, etc. Kurz: wir funktionalisieren uns. Wenn wir ehrlich sind, bleibt von dieser Zeit nicht viel im Gedächtnis hängen. Denn unseren Erfahrungen fehlt die Tiefe, das Menschliche, also das, was uns im Nachhinein sagen lässt: „Diesen Moment heute habe ich sehr genossen.“ Wenn wir uns so sehr auf die Verpflichtungen des Alltags konzentrieren, dann bleibt kein Platz mehr für unsere Bedürfnisse. Mit der Zeit verlieren wir sogar jegliches Gespür dafür was uns gut tut, was uns wichtig ist. Meine Kinder sind mir in dieser Hinsicht zum Vorbild geworden. Wenn ich meine Tochter beim Spielen beobachte, dann bewundere ich ihre Versunkenheit. Kinder sind echte Meister der Muße. Sie tun die Dinge nicht zu einem bestimmten Zweck, sondern ausschließlich um ihrer selbst willen. Wann haben WIR damit aufgehört?

Kein Muss & Keine MUSE, sondern einfach…

Muße, das ist die Zeit, in der wir uns auf uns selbst konzentrieren und im Augenblick verweilen. In der wir wieder unsere Interessen und Leidenschaften entdecken können. Und doch sollte das nicht das Ziel sein, denn die Muße kennt weder Ziel noch Ergebnis. Es geht nicht darum, aktiv bestimmte Erfahrungen zu machen oder Erkenntnisse zu gewinnen. Es geht vielmehr darum, Eindrücke gewinnen zu können, also im Empfangsmodus zu sein.

Muße? Das ist das Gegenteil von Nichtstun.
Es ist gesteigerte Empfänglichkeit,
ein Tun, das nicht aus dem Zwang der Not kommt,
nicht aus der Gier nach Gewinn,
nicht aus dem Gebot oder der Pflicht,
sondern allein aus der Liebe und der Freiheit.
(Christoph Wilhelm Hufeland)

Hirnforscher und Psychologen bestätigen, wie wichtig Zeiten der Muße sind. Wenn wir zur Ruhe kommen, regenerieren wir uns. Muße verbindet uns mit der inneren Quelle unserer Kraft und Kreativität. Wollen wir unsere Rollen als Mutter/Vater, Ehepartner, Mitarbeiter, Selbstständiger, Hobby-Sportler, etc. ausfüllen und unser Leben dennoch selbstbestimmt und nachhaltig gestalten, ist es unabdingbar, dass wir uns Auszeiten ganz für uns gönnen. Wir planen ja auch sonst alles, warum nicht also auch diese Zeiten für uns? Bei den Sicherheitsvorkehrungen im Flugzeug heißt es nicht umsonst „Helfen Sie zuerst sich selbst und dann anderen.“ Das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern schlichtweg mit der Tatsache, dass wir nur dann für andere da sein können, wenn wir selbst in der Mitte unserer Kraft und Ressourcen stehen.  

Persönliche Energiequelle aufsuchen

Das erfordert zunächst einmal, dass wir uns selbst gut kennen. Zum einen also zu wissen, was uns persönlich Energie gibt und zum anderen nicht einem Alltags-Aktionismus zu verfallen, dessen Antrieb vor allem aus dem „Müssen“ kommt, anstatt aus dem „Wollen“. Denn nichts ist anstrengender, als gegen unsere „innere Zustimmung“ zu arbeiten. Wovon bin ich in meinem Innersten überzeugt? Was will ich wirklich? Das sind zentrale Fragen, die nach einer sehr persönlichen Antwort verlangen. Die nächste wichtige Frage lautet: „Woraus ziehe ich meine Energie?“ Ich persönlich tanke beispielsweise Kraft und Energie aus einem Waldspaziergang, einer Runde joggen, oder auch durch das Kochen eines leckeren Gerichts. Anderen mag dabei das Erlebnis und die Gesellschaft fehlen. Das hängt ganz davon ab, wie stark introvertiert oder extravertiert wir sind. Introversion – Extraversion ist eine Dimension unserer stabilen Persönlichkeitsmerkmale (Big Five). Je nachdem ob wir eher introvertiert oder extravertiert veranlagt sind, ziehen wir unsere Energie aus ganz unterschiedlichen Quellen. So benötigen introvertierte Menschen eher Ruhe und Rückzug und gewinnen ihre Energie vielleicht aus einem Spaziergang durch die Natur oder einem guten Buch. Extravertierte Menschen benötigen hingegen mehr Stimulation von außen und ziehen ihre Energie aus neuen Erlebnissen oder in Gesellschaft von anderen Menschen.

Instinktiv wissen wir zu welcher Seite wir zwischen den beiden Endpunkten dieser Energie-Skala tendieren. Doch in unserem turbulenten Alltag können wir schließlich nicht immer Rücksicht auf uns selbst nehmen – glauben wir. Sollten wir aber viel mehr tun! Ignorieren wir beständig unsere Bedürfnisse, wissen wir schon bald gar nicht mehr was uns gut tut. Wir verlieren unseren inneren Kompass und damit jede Chance, unser Leben zufrieden zu gestalten.

Meine Einladung an dich

Daher lade ich dich ein, in der nächsten Zeit besonders …

…Zeiten der Muße einzurichten, ganz ohne Agenda

…aufmerksam für deine innersten Wünsche und Bedürfnisse zu sein

…auf deine persönlichen Energiequellen zu achten und dich mit diesen zu verbinden.

Willst du dich noch stärker mit diesem Thema auseinandersetzen? Dann lade ich dich außerdem herzlich zu meinem kostenfreien Online Workshop am 9.7. 19-20 Uhr ein. Mehr Infos und Anmeldung unter: www.johannafinke.com/news/

Ich freue mich auf dich!