Glaubenssätze verändern und wirklich ICH sein

Stell‘ dir bitte einmal folgende Situation vor: Du bist kürzlich in eine neue Führungsrolle befördert worden. Unversehens siehst du dich mit zig Erwartungen konfrontiert. Du willst deine Sache gut machen, es allen beweisen, deinen Chef, der sich für dich ins Zeug gelegt hat, nicht enttäuschen. Du arbeitest also noch härter, bemühst dich, es allen recht zu machen, suchst nach der verdienten Anerkennung. Aber zunehmend fühlst du dich wie ein Rennpferd, das rennt und rennt und sich irgendwann erschöpft fragt: was mache ich hier eigentlich?

Daran glauben wir fest: So funktioniert die Welt!

So geht es tatsächlich vielen meiner Kunden. Der gemeinsame Nenner? Ein kleiner Satz, den wir meist von Kindesbeinen auf gelernt und verinnerlicht haben:

„Ich bin nicht gut genug.“

„Ich muss perfekt sein.“

„Ich muss leisten, um geliebt zu werden!“ …

Solche Sätze manifestieren sich zu echten Glaubenssätzen. Das heißt, ich habe in meiner Kindheit vielleicht die Erfahrung gemacht, dass ich nur dann von meinen Eltern gelobt wurde, wenn ich etwas besonders gut gemacht hatte bis ich schließlich glaubte, dass die Welt wirklich so funktioniert. Unser Glaubenssatz wird dann zur Handlungsmaxime, leitet also unser Denken und Handeln.

 

Glaubenssätze als Schlüssel zur Lösung all unserer Probleme?!

Die bekannte Psychotherapeutin und Buchautorin Stefanie Stahl hat darüber ein Buch geschrieben „Das Kind in dir muss Heimat finden“. Der Untertitel lautet: „Der Schlüssel zur Lösung (fast) aller Probleme“. Und das ist natürlich schon eine ziemlich steile Behauptung. Und wer sagt überhaupt, dass Glaubenssätze immer ein Problem darstellen?

Tatsächlich gibt es auch viele positive Glaubenssätze, doch die Praxis zeigt, dass es die negativen Glaubenssätze sind, die unsere persönliche und berufliche Weiterentwicklung torpedieren, weil sie uns innerlich blockieren oder uns in alte Verhaltensmuster zurückfallen lassen. Diese Blockade kann ich nur dann auflösen, wenn ich 1. Bewusstsein für meinen zentralen Glaubenssatz schaffe und 2. versuche, ihn zu transformieren, ihn also in etwas konstruktiveres umformuliere.

Beispiele von Glaubenssätzen, die unsere Entwicklung beeinträchtigen

Übung: Meinen zentralen Glaubenssatz erkennen

Oft tragen wir mehrere Glaubenssätze in uns, doch in der Regel gibt es einen zentralen Satz, dem wir uns besonders verpflichtet fühlen. Ich empfehle, sich auf diesen einen Satz zu konzentrieren, um nicht zu viele Baustellen gleichzeitig aufzumachen. Um ein Bewusstsein für deinen persönlichen Glaubenssatz zu schaffen, möchte ich dir folgende kleine Übung ans Herz legen:

An welche Glaubenssätze (Sprüche, Leitsätze, Orientierungen, Motto, o.ä.) erinnerst du dich

… aus der eigenen Familie (Was haben z.B. Eltern, Großeltern, Geschwister, Onkel, Tanten, etc. zu dir gesagt)?

… aus der Schulzeit (Was haben Lehrer häufig zu dir gesagt)?

… vom Arbeitsplatz (Welche Meinung äußerte z.B. dein Chef oder deine Kollegen wiederholt)?

Welcher davon hat dich besonders geprägt? Welchen Glaubenssatz hast du dir selbst geschaffen?

Als Nächstes beobachte dich selbst im Alltag und frage dich einmal:

  • Wie wirklich ist meine Wirklichkeit?
  • Ist es wahr, was ich gerade denke?
  • Kann ich mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
  • Wie reagiere ich? Was passiert, wenn ich diesen Gedanken glaube?
  • Wer wäre ich ohne diesen Gedanken?

Gerade die letzte Frage ist unheimlich spannend, denn sie impliziert, dass unser Glaubenssatz einen Teil unserer Persönlichkeit beschneidet. Schaffe ich es, meinen Glaubenssatz ein Stück weit loszulassen, dann entsteht neues Entfaltungspotenzial. Aber so leicht machen es uns unsere Glaubenssätze ja leider nicht.

Übung: Meinen Glaubenssatz transformieren

Nicht selten höre ich beispielsweise auch von meinen Kunden: „Ich weiß ja, dass das Quatsch ist, aber ich kann trotzdem nicht anders.“ Das heißt, das bloße Bewusstsein für unseren Glaubenssatz reicht noch nicht aus, um ihn loszuwerden. Ich möchte hier nicht tiefer in die Persönlichkeitspsychologie eintauchen, die dem zugrunde liegt, aber dafür sensibilisieren, dass wir unseren Glaubenssatz nicht einfach abschütteln können. Vielmehr sollten wir versuchen, ihn zu transformieren. Also, positiv umzuformulieren, so dass wir gut damit leben können. Ein Beispiel:

Eine meiner Kundinnen, die im Begriff war, die Karriereleiter immer weiter nach oben zu klettern, im Grunde aber sehr unzufrieden mit ihrem Job war, fühlte sich extrem dem Satz verpflichtet: „Ohne Fleiß, keinen Preis.“ Und: „Ich darf mir keine Fehler erlauben.“ Dadurch fühlte sie sich zunehmend unter Druck gesetzt und klagte zudem über mangelnde Akzeptanz innerhalb ihres Teams. Auf der Suche nach einer Umformulierung liegt natürlich so etwas wie der Satz nahe: „Ich darf auch mal Fehler machen.“ Aber es ist höchst unwahrscheinlich, dass meine Kundin diesen Satz verinnerlicht hätte, denn es ist letztlich das Gegenteil dessen, was sie jahrelang verinnerlicht hatte. Stattdessen fragte ich sie: Wie könnte der Satz lauten, damit Sie sich damit wohl fühlen? Was können Sie sich erlauben?

Und schließlich formulierte sie den Satz: „Ich darf auch/muss mir auch Ruhepausen gönnen, um leistungsfähig zu sein.“ Und: „Ich darf mich auch mal von einer „menschlicheren“ Seite zeigen, denn ich will nicht nur geachtet, sondern auch geliebt werden.“ Dazu entwickelte sie jeweils ein Bild, um sich im Alltag stets an diese beiden neuen Sätze zu erinnern, die nun natürlich aufs Neue verinnerlicht werden mussten. Aber mit jedem Mal, dass einer dieser neuen Sätze funktionierte, wurde der alte ein Stück mehr abgelöst. Das alte verbissene Verhaltensmuster wurde so Schritt für Schritt durch ein neues ersetzt, das wesentlich besser zu ihrer eigentlichen Persönlichkeit und ihrem inneren Bedürfnis passte.

Die Kraft unserer Gedanken

Henry Ford hat einmal gesagt:

Ob du denkst, Du kannst es, oder, Du kannst es nicht – in beiden Fällen hast Du Recht.

Und das ist die gute Nachricht. Denn es ist keine objektive Wirklichkeit, die uns in unsere Schranken verweist, es ist unsere subjektive und wir haben jederzeit die Möglichkeit, diese zu verändern!

Wenn du mehr zu deinen persönlichen inneren Widerständen und Glaubenssätzen arbeiten möchtest, die eine wirksame Veränderung verhindern, dann sprich mich gerne an!