Du willst den passenden Job finden? Dann mach’s auch richtig!

Der Wunsch nach beruflicher Veränderung taucht bei vielen von uns mit unerwünschter Regelmäßigkeit auf. Aber wie finde ich den passenden Job? Die Antwort finden wir nicht auf Jobbörsen wie Stepstone oder Indeed. Denn die richtige Suche fängt immer bei mir selbst an: Wer bin ich? Und was will ich wirklich? Hier teile ich meine 5 Best-Practices mit dir, um deinen beruflichen Weg endlich passend zu gestalten.

Und täglich grüßt das Murmeltier: Welcher Job passt zu mir?Junge Frau blickt aus dem Fenster und denkt über den passenden Job nach

Es ist anstrengend, raubt uns Energie und häufig auch den Schlaf. Die Frage: Wie sieht mein nächster beruflicher Schritt aus? Wie finde ich den passenden Job? Diese Fragen schleichen sich in unseren 30ern und 40ern in gewisser Regelmäßigkeit immer wieder in unsere Gedanken. Ist das normal? Ja uns das hängt mit unserer Lebensphasenbetrachtung zusammen. Zu Beginn unseres Arbeitslebens identifizieren wir uns stark mit unserem Job, denn er ist eine neue Säule unseres Selbstverständnisses: Wir sind, was wir tun und materieller Wohlstand ist uns wichtig. Doch nach einigen Jahren rückt eine größere Lebensperspektive in den Mittelpunkt und wir stellen uns die Frage: auf welches Berufsleben will ich zurückblicken? Die meisten haben schon in ihrer 1. Lebensphase keine bewusste Jobentscheidung getroffen, sondern sind „irgendwie darein gerutscht“. Wie also sollen wir in Lebensphase 2 die Antwort auf unseren Wunsch nach Veränderung kennen?

Den richtigen Ansatzpunkt für meine berufliche Neuorientierung wählen

Zu dieser Ratlosigkeit gesellt sich zu allem Überfluss auch noch ein Gefühl der Angst. Ein sicheres Anzeichen dafür, dass ich mich am Rande meiner Komfortzone bewege. Dabei ist meine Komfortzone per se gar nicht schlecht. Schließlich brauche ich einen Rückzugsort, an dem ich neue Kraft schöpfen kann. Aber die Angst, die ich empfinde, wenn ich diesen Rückzugsort verlasse, verursacht Stress. Dieser führt wiederum dazu, dass ich nicht mehr klar denken kann und einen Tunnelblick entwickle. Ich komme dann in eine Grübel-Falle und meine Gedanken drehen sich nur noch um die Frage: WAS kann ich als nächstes machen? Ich denke also bereits in Job- oder Arbeitgeber-Profilen und beginne meine Suche auf Stepstone, Indeed, o.ä. So verliere ich das eigentliche Problem meiner Suche aus den Augen. Das Problem ist ja nicht in erster Linie die Frage “WAS kann ich als nächstes machen?”, sondern: WIE und WO starte ich meine Suche nach dem passenden Job?

Projekt “Traumjob” smart planen 

In diesem kleinen Wort “passend” liegt bereits der entscheidende Hinweis. Mein Beruf soll zu meiner Persönlichkeit und meinem Lebensmodell passen. Und ich mache mir hier Eckhard von Hirschhausens „Pinguin-Prinzip“ zu eigen. Damit beschreibt er die Individualität eines jeden und dass es entscheidend ist, das richtige “Spielfeld” zu wählen, damit mein Potenzial überhaupt zum Vorschein kommen kann. Oder um es bildlich zu formulieren: „Wenn du als Pinguin geboren wurdest, machen aus dir auch 7 Jahre Psychotherapie keine Giraffe mehr.“ Das führt mich also unweigerlich zu der Frage: Wer bin ich und was will ich? Die richtige Suche nach meinem Traumjob beginnt also bei mir selbst, bzw. bei meiner Selbstkenntnis. Und weil ich bei meiner Selbstfindung ja durchaus in komplexe Gedanken – und Gefühlswelten eintauche, darf ich den roten Faden nicht verlieren. Das heißt ich lege mir vorher einen Plan zurecht, was ich genauer erforschen will und wie ich diese Erkenntnisse dann für mich nutze. Schließlich widme ich mich doch im beruflichen Kontext einem neuen Projekt auch nicht ohne Plan. Ich definiere zumindest ein Ziel, einen Zeitplan, plane geschätzte Ressourcen ein und identifiziere die Milestones. Und genauso mache ich jetzt auch aus meiner beruflichen Neuorientierung ein Projekt. Mein Projekt hat 5 Phasen, meine 5 Best-Practices: (1) Selbstfindung anstoßen, (2) Job-Ideen kreativ entwickeln, (3) Job-Prototypen konkretisieren, (4) Job-Prototypen in die Tat umsetzen , (5) Gefestigt neu starten.

Meine 5 Best-Practices, den passenden Job zu finden

#1: Selbstfindung anstoßen

Wer bin ich und was will ich wirklich?

Um herauszufinden, wer ich im Kern bin und was ich wirklich will, benötige ich zunächst einmal ein gewisses Maß an Ruhe in mir selbst. Andernfalls haben neue Impulse überhaupt keine Chance mich zu erreichen.

Natürlich können mir Persönlichkeitstests auf eine recht bequeme Art Aufschluss über mich geben. Besonders beliebt sind dabei in den letzten Jahren solche Tests geworden, die auch ohne Berater eingesetzt werden können. Doch für mich persönlich ist der Nutzen bei beruflichen Veränderungen sehr begrenzt, weil ja immer nur ein kleiner Ausschnitt der Persönlichkeit schematisch charakterisiert wird. Für mein Empfinden bringt mich die Reflexion anhand bestimmter Kernfragen sehr viel näher an mein Selbst heran (wie z.B. Was sind meine persönlichen Werte, Interessen, Motivatoren und Fähigkeiten?). Diese Kernfragen lösen sich stellenweise ganz bewusst vom konkreten beruflichen Kontext, weil zu einer erfolgreichen beruflichen Neuausrichtung auch immer die Betrachtung meines ganzen Lebensentwurfs gehört. Diese Vision von meinem Leben zeichnet ein Bild von meiner Zukunft, wie ich sie mir wünsche und verrät mir, worum es mir im Kern geht. Daher beziehe ich auch private Faktoren wie Familie, Freunde, Wohnort, Freizeitgestaltung, etc. bewusst mit ein und stelle mir die Frage: Wie will ich leben und arbeiten? Und je konkreter diese Vision ist, desto höher ihre Zugkraft. D.h. desto mehr kann sie mich auf dem Weg der Neuorientierung in die richtige Richtung weisen.

 

Welches Arbeitsumfeld brauche ich, um zu glänzen?Gruppe von Kollegen tauscht sich in lockerer Atmosphäre aus als Beispiel für die passende Arbeitsumgebungd

Im oben beschriebenen Pinguin-Prinzip geht es um mein geeignetes “Spielfeld”. Genauer gesagt, möchte ich definieren, was meine Stärken zum Glänzen bringt und wo ich mein Potenzial entfalten kann.

– Wie sieht mein ideales Arbeitsumfeld aus?

– Was fühlt sich frei an? Was stärkt mich?

– Was engt mich ein? Was raubt mir Energie?

Um meine persönlichen Antworten darauf zu finden, beobachte ich mich einfach mal selbst im Alltag und notiere mir die Erkenntnisse des Tages am Abend. Oder ich ziehe die Erfahrungen aus früheren Projekten oder Jobs heran. So erhalte ich bereits wertvolle Hinweise: Sitze ich gerne in meinem eigenen Büro? Sollen dort auch andere Kollegen sitzen? Geben Strukturen und Prozesse mir Sicherheit oder rauben sie mir den letzten Nerv? Wie komme ich mit viel Tätigkeitsspielraum zurecht? Wie wichtig sind mir geregelte Arbeitszeiten und ein Feierabend, an dem ich abschalten kann? Auf diese Weise kristallisiert sich immer mehr heraus: Selbstständig oder angestellt? Konzern oder Mittelstand oder doch lieber Start-Up? Leitungsfunktion oder lieber Mitglied eines gleichberechtigten Teams? Und und und. So gestalte ich mir Schritt für Schritt mein ideales Arbeitsumfeld.

#2: Job-Ideen kreativ entwickeln (mit der Disney-Methode)

Spätestens an diesem Punkt schwirrt mir der Kopf von so vielen inneren Insights und dennoch fühle ich mich meilenweit entfernt von meinem Traumjob. Das kann mich dazu verleiten, doch wieder nach ausgeschriebenen Job- oder Arbeitgeber-Profilen zu suchen. Aber Vorsicht! Diese Abkürzung ist ein Trugschluss, weil sie meine Aufmerksamkeit wieder in gewohnte Bahnen lenkt und so meine Kreativität einschränkt. Dabei heißt kreative Jobsuche nicht etwa verrückt zu denken, sondern neue Perspektiven einzunehmen, zum Beispiel durch kreatives Kombinieren meiner entdeckten Interessen, Talente, Werte und Bedürfnisse: Was kann ich wie wo mit wem tun? Hier nutze ich bspw. gerne die Disney-Methode, eine der einflussreichsten Kreativitätstheorien. Für die Entwicklung kreativer Ideen nehme ich hier im Wechsel 3 verschiedene Rollen ein (idealerweise auch räumlich voneinander getrennt): den Träumer, den Realisten und den Kritiker. Als Träumer darf ich mir alles ausdenken, was mir in den Sinn kommt. Anschließend betrachte ich diese Idee aus der Realisten-Rolle und prüfe Realisierbarkeit, Kosten, Ressourcen, etc. Und schließlich lasse ich den Kritiker sprechen.

Um dem Träumer etwas auf die Sprünge zu helfen und möglichst viele kreative Ideen zu entwickeln, spiele ich auch gern Job-Bingo. Im Ernst! Diese Methode entwickelt Job-Ideen durch fröhliches Durchkombinieren meiner unterschiedlichen Interessen, Fähigkeiten, Motivatoren, etc. und fasst auf diese Weise auch noch einmal schön meine bisher gewonnenen Erkenntnisse über mich selbst zusammen. Ausführlich ist diese Methode auch beschrieben in „Design Your Life“. Ich entwickle mindestens 5 Job- oder Tätigkeits-Ideen und reduziere diese dann auf meine top 1 & 2. Welche Idee fühlt sich ausschließlich gut an? Welche der Ideen verursacht am ehesten ein Kribbeln? Das sind dann die 1-2 Ideen, die in die nächste Phase, die Prototypen-Entwicklung, gehen.

#3: Job-Prototypen konkretisierenJunge Frau mit Maßband um den Halssteht am Schneidertisch und schneidet Textil

Ideen sind schon mal gut aber das Problem einer Idee ist, dass diese noch zu unkonkret ist, um sie wirklich in die Tat umzusetzen. Wenn ich mich beruflich neu orientieren möchte, dann scheitert das häufig daran, dass ich zu wenige konkrete Ansatzpunkte habe, um loszulegen. D.h. der erste Schritt ist einfach zu groß und damit wächst auch meine Scheu. Also muss ich den ersten Schritt kleiner machen und kleiner und kleiner und noch ein bisschen konkreter, bis da kein innerer Widerstand mehr ist, aktiv zu werden. Und hier kommen die Job-Prototypen ins Spiel. Damit entwickle ich meine Idee zu einer ganz konkreten Möglichkeit weiter, die ich sofort im Kleinen testen kann. So vermeide ich auch, zu viel Energie in die falsche Sache hineinzustecken. Oft hat der Prototyp erst einmal gar nicht so viel mit dem eigentlichen Job-Wunsch zu tun. Wichtig ist aber, dass mich der Prototyp auf die richtige Fährte setzt.

Ein Beispiel: Eine Kundin entdeckte in unserem Coaching-Prozess ihren großen Wunsch neu: sie wollte schon lange ein kleines Boutique-Hotel eröffnen. Um dieses wirklich große Projekt handhabbar zu machen, entwickelte sie schließlich ihren Prototypen: ihren Eltern gehörte ein Ladenlokal, das zufälligerweise gerade leer stand. Dieses Ladenlokal wollte sie als Begegnungsstätte umfunktionieren und über 3 Monate hinweg testen. Sie selbst plante dort Yogakurse zu geben, eine Freundin sollte Seminare anbieten und auch eine kleine Café-Ecke war in ihrem Prototyp vorgesehen. Dieser Gedanke hat vielleicht erst einmal nicht viel mit einem Hotel zu tun, gab meiner Kundin aber ausreichend Gelegenheit, den Realitätscheck als Unternehmerin, Veranstalterin und Gastgeberin zu machen.

In diesem Fall sprechen wir von einem warmen Prototyp, weil meine Kundin selbst ins Handeln kommen konnte. Dem gegenüber stehen kalte Prototypen, bei denen ich nicht selbst Erfahrungen sammle, sondern lediglich Informationen und Erfahrungen recherchiere und zusammentrage. Kalte Prototypen sind somit deutlich bequemer und damit auch leichter umzusetzen. Sie sind daher oft ein guter Anfangspunkt. Doch den größten Mehrwert liefern Prototypen natürlich über eigene Erfahrungen. Deshalb sollte ich bei der Prototypenentwicklung immer auch warme Prototypen mitberücksichtigen: Wie kriege ich hier einen Fuß in die Tür?

Damit mein Prototyp dann aber auch wirklich in die Umsetzung kommt, ist es wichtig, kleinschrittig zu planen.

#4: Job-Prototypen in die Tat umsetzen (mit dem Ende im Sinn)

Manchmal hilft es, mir den Zielzustand bereits vor meinem inneren Augen in allen Farben auszumalen und mich dann bis zur Gegenwart Schritt für Schritt vorzuarbeiten: Was war der letzte Schritt, den ich zur Realisierung meines Prototypen erledigt habe? Welche Hürden habe ich dabei überwunden? Was/wer hat mir dabei geholfen? … Was war der Schritt unmittelbar davor? Usw. Auf diese Weise definiere ich alle einzelnen Schritte und Ressourcen und antizipiere Hürden, bis ich im Hier & Jetzt bin. Durch diesen Zukunftssprung fällt es mir leichter, meinen Weg zu definieren, weil ich in einem mentalen Zustand bin “Ich habe das bereits alles gemeistert!”. Allein kann es allerdings schwierig sein, sich in diese Haltung wirklich einzufühlen. Daher lasse ich mich idealerweise von einem Coach begleiten. Das großartige Gefühl, meinen Prototypen umgesetzt zu haben, ist dann ein wertvoller Antreiber für die echte Umsetzungsphase.

#5: Gefestigt neu starten

Junger Mann lacht zufrieden vor seinem neuen Home Office, er hat den passenden Job gefundenWas ich durch diese ganzheitliche, ressourcenorientierte und kleinschrittige Vorgehensweise häufig erlebe, ist die beschwingende Erkenntnis, dass oft gar keine 360̊-Grad Wende erforderlich ist, um wieder eine größere Zufriedenheit zu spüren. Nicht allen geht es so wie meiner oben beschriebenen Kundin, die sich einer komplett neuen beruflichen Herausforderung stellen wollte. Manchmal ist es nur eine interne Veränderung (neues Projekt, neue Stelle), ein nebenberufliches persönliches Projekt oder eine Selbstständigkeit, die berufsbegleitend aufgebaut wird. Manchmal ist es die Erkenntnis, dass ich in einem kleineren mittelständischen Unternehmen besser aufgehoben bin als im Großkonzern. Letztendlich geht es immer darum, dass ich mir aktiv neuen Gestaltungsspielraum schaffe. Dieser schenkt mir wiederum eine deutlich höhere Lebenszufriedenheit, weil ich sehr bewusst und selbstbestimmt handle aber natürlich auch im Rahmen meiner Möglichkeiten. Oft fühlen wir uns durch familiäre und finanzielle Verpflichtungen limitiert. Und natürlich muss ich diese mitberücksichtigen! Ich halte es daher für wichtig, mir an dieser Stelle auch noch einmal die Frage nach meiner persönlichen Lebensvision zu stellen. Also was ist mein Lebensmodell: Wie will ich leben und arbeiten? Denn: meine Karriereplanung ist auch Lebensplanung.

Mein Fazit

Es gibt viele verschiedene Ansätze, den passenden Job zu suchen, seine Berufung zu finden und dieser nachzugehen. Meiner Erfahrung nach, ist der einzig nachhaltige Ansatz aber ein ganzheitlicher und ressourcenorientierter, der sich zunächst einmal mit mir selbst und meinem Purpose beschäftigt. „Coaching is providing space, for what is missing in the system.“ Dieser Satz hat sich schon oft bewahrheitet und er verdeutlicht, dass die Aufmerksamkeit eben erst einmal auf die blinden Flecken gelenkt werden muss oder aber dass “fremde” Methoden zum Einsatz kommen, die durch ihre Andersartigkeit aber eben neue Erkenntnisse hervorbringen. Leider ist unsere Selbstkenntnis oft einer dieser blinden Flecken.